Weiter geht's nach Kasachstan

Der See lag leider einen Abhang hinunter, sonst wäre ich auch einmal ans Ufer. Es soll der zweit größte Gebirgssee nach dem Titicacasee sein. 

Wir hatten nur 45 Minuten bis es mit einer Filzshow losgehen sollte. Andere hetzten den Berg runter, gingen kurz ins Wasser und hetzten wieder hoch. Er soll sehr klar sein.

Wie das bei so Gruppenreisen ist, wird immer etwas vorgestellt. Ich weiß nicht in wievielen Teppischknüppfereien ich schon war, oder Schmuckmanufakturen. Hier hieß es also Filz..

Eine Einheimische zeigte uns wie sie Filz herstelle, ehrlich gesagt habe ich nicht zugehört und kann nichts dazu sagen 😅 Das interessanteste war, als eine Mitreisende irritiert war, weil sie die ganze Zeit Pilz anstatt Filz verstanden hatte und dachte, wir gehen jetzt in irgendeine Höhle und schauen uns Pilze an 🤣 Wäre für mich auf jeden Fall interessanter gewesen. Danach wurde natürlich auch noch kräftig eingekauft.. 



Unser Guide übersetzte und wurde in Bischkek noch Russisch gesprochen, wird hier auf dem Land Kirgisischen gesprochen, welches zur gleichen Sprachfamilie wie Türkisch gehört. Und so hat es sich auch angehört.

Danach sollte es zur Adlershow gehen.. Habe ich auch schon einige Flugshows in meinem Leben gesehen, habe ich mich darauf gefreut. Anders als erwartet ging es nicht in ein Park oder zu einem Platz mit Tribüne. Wir gingen einfach auf das Feld vor unserem Camp. Dort wartete ein Adlerjäger, was hier ein traditionelles Thema ist. 

Heutzutage ist das ein Hobby neben dem Beruf und es wird auch kein Geld damit verdient. 









Die Jagdsaison ist von Oktober bis Februar, damit im Sommer die Babys in Ruhe aufwachsen können.
Adler legen 1-2 Eier und die Adlerjäger entwenden ein paar Wochen altes Adlerbaby, aber auch nur, wenn noch ein zweites da ist. 

Danach werden diese für 4 Monate trainiert und danach kann es auf die Jagd gehen.

Jäger sind die Frauen, die auch bis zu 9 Kilo schwer werden und auch Wölfe erlegen können. Die Männchen werden nur bis zu 5 Kilo.

Nach der Jagd bekommt der Jäger das Fell, das restliche Tier darf der Adler verspeisen.  Nach 15-20 Jahren, werden die Adler wieder in die Freiheit entlassen. 

Dafür werden sie drei Monate in eine Jurte gebracht, ohne Kontakt zu Menschen und mit Blick auf den Himmel. Das Essen wird ohne Kontakt rein geworfen. Damit wird der Vogel entwöhnt und mit Blick auf den Himmel, wird der normale Instinkt wieder erweckt.

Auf die Frage, ob der Vogel dann nicht trauert, meinte der Jäger, dass nur der Jäger trauert 😅

Nachdem er etwas erzählt hat, gab es drei Vorführungen. Die erste Übung ist das einfache Rufen. Also der Adler ist irgendwo auf dem Berg und der Adlerjäger steht unten mit Fleisch und der Hand und ruft den Adler. Dieser kommt angeflogen und erhält dann sein Fleisch.

Die zweite Übung ist mit einem Dummy. Einem Daxfell an einer Schnur. Wieder ist der Adler auf dem Berg, diesmal zieht der Adlerjäger den Dummy über die Ebene und der Adler muss den Dummy fangen und erhält dann sein Fleisch.

Als letztes wurden zwei Hunde geholt kirgisische Windhunde, genannt Taigans. Die helfen bei der Jagd, wenn ein Tier in die Büsche verschwindet. Hier wurde wieder der Dummy verwendet. Ich bin kein Windhund-Fan, aber wenn die rennen, sind sie schon sehr grazil. 







Danach durften wir den Adler auf den Arm nehmen. Beeindruckendes Tier, nur irgendwas hat das Tier abgelenkt und es ist plötzlich losgeflogen, was ja nicht ging, da seine Füße an einem Seil waren, welches ich in der Hand hatte.. Mir tat das Tier total leid und zum Glück konnte der Jäger es gleich wieder beruhigen, aber es war ein tolles Erlebnis.








Danach ging es zurück ins Camp und mit Blick auf den See gab es Abendessen.
Hierzu kam dann noch eine Familie die Folklore aufführte. Auch nicht das ,was ich unbedingt brauche 😅 aber es war ganz nett. 





Für mich war der Tag damit gelaufen und es ging für mich in die Jurte. Wenn alle Lichter aus waren, war es wirklich stockdunkel. Dazu ist es Zelt und es war richtig kalt. 
Ich hatte zum Glück meine Ski Unterwäsche dabei, meine Wollsocken und dann noch eingewrappt in der Decke ging es. Man hätte auch einfach die Heizung an machen können, aber dann wäre das ja kein Erlebnis gewesen 😅

Der Einstieg in die Jurte ist ein kleines Loch und man muss sich ducken. Die Toilette ist in einem Nebenraum und bei meinem ersten nächtlichen Toilettengang verzichtete ich noch auf meine Taschenlampe. Den Weg zu finden war kein Problem, nur hatte ich vergessen, dass die Luke ja kleiner ist und bin erstmal volle Kanne mit dem Kopf gegen den Rahmen gelaufen 🙈 die nächsten Male war dann meine Taschenlampe am Start 😅.

Während des Reisens passiert das Leben. Kriege beginnen, Kinder werden geboren, Menschen Heiraten. Und so kam an diesem Morgen die Nachricht, dass ein geliebter Mensch von uns gegangen ist 💔😓 ich bin in Gedanken fest bei der Familie 🫂 Man kann sich noch so sehr auf diese Situation vorbereiten, wenn es dann eintritt trifft es einem trotzdem wie ein Schlag. 
Und so bin ich für eine lange Busfahrt dankbar, die ich für mich und meine Trauer nutzen kann...

Der Tag bestand auch hauptsächlich aus Busfahrt. Ein halt gab es am Burana Turm. An der Stelle gab es Mal eine Stadt, die durch Erdbeben zerstört wurde. Übrig ist die Hälfte eines Minaretts, ein Hügel unter dem mal eine Stadt war, aber zu sehen war nichts 😅 und Grabsteine aus der Zeit vor dem Islam. Diese Steine sollen den Toten im Jenseits helfen und sie beschützen.






Die Stadt stand ebenfalls an der alten Seidenstraße und nicht nur Kulturen und Sprachen wurden über die Seidenstraße verteilt, auch die Pest entstand in Zentralasien und wurde über die Seidenstraße in die Welt verbreitet.







Weiter ging es zu Reiterspielen. Pferde und Reiten ist ein wichtiges Thema in Kirgisistan. Kinder auf dem Land sitzen oft schon auf dem Pferd, bevor sie laufen können. Unser Reiseleiter ist in Bischkek aufgewachsen und hat mit 11 erst reiten gelernt. Kinder aus der Stadt werden von den Dorfkindern "Balkonkinder" genannt.

Im Gegensatz zu der Adlershow und dem Adlerjäger der wirklich liebevoll und respektvoll mit seinem Tier umgegangen ist, waren die Pferde in einem schlechten Zustand. Sie hatten offene Stellen und sahen aus meiner Sicht auch teilweise apathisch aus.

Die Spiele hatten drei Kategorien. Das erste war, dass Reiter versuchten mussten während des Reisens Münzen vom Boden aufzuheben. Anstatt Münzen gab es klein rote Säckchen und er Reiter rutschte während des Kalopps seitlich an das Pferd und hob den Sack auf.

Das zweite Spiel war Ringen. Zwei Reiter versuchten sich gegenseitig vom Pferd zu ziehen. Das die Pferde dabei unkontrolliert aneinander knallten interessierte niemand.

Dann kam das dritte Spiel. Hier spielen zwei Mannschaften gegeneinander. Es gibt ein Ring auf dem Boden und eine frisch geschlachtete Ziege.

Ziel ist es die Ziege in den Ring zu bekommen, das zählt dann als Tor für die Mannschaft. Der Gewinner erhält am Schluss die Ziege zum Essen.

Gespielt wurde mit einem Dummy, aber ich konnte fast nicht hinschauen. Die Pferde wurden mit einer Art Peitsche dermaßen angetrieben, das man das knallen auf dem Körper gehört hat. An der Trense wurde dermaßen gerissen, das die Pferde ihr Maul nicht zubekommen haben und den Kopf eigentlich die gesamte Zeit nach hinten geworfen haben. Dazu brechten die Reiter aufeinander zu und die Pferde trampelten sich gegenseitig um. Bisschen wie Pferderugby. In meinen Augen nicht schön anzusehen.. Wenn Menschen da Bock drauf haben und ein hartes Spiel wollen, sollen die das machen. Aber lasst doch bitte die Tiere daraus.

Bei einem der Zusammenknalle fiel dann auch ein Reiter leblos vom Pferd und blieb auch relativ lang leblos liegen. Als er aufstehen konnte, sackte er auch immer wieder weg. Erbrach auch und hatte eine Wunde am Kopf.. Da habe ich keine Mitleid.. Aber schön war es nicht.




Danach ging es zurück nach Bischkek. Hier machten wir einen kurzen halt an der neuen Arena von Bischkek. Das Stadion wird heute eröffnet und das erste Stadion, welches seit über 50 Jahren gebaut wurde. Für Nationalmannschaft Spiele und Konzerte.




Weiter ging es zu einer Kirgisischen Familie zum Abendessen. Die Familie spricht deutsch und sind in der Touristik tätig. Der Mann ist Reiseleiter und hat schon in der Schule Deutsch gelernt, was damals in der Sowjetunion wohl Gang und gebe war. Die Frau konnte kein Deutsch. Zum 50. Geburtstag ihres Mannes wurden sie zu Freunden nach Deutschland eingeladen. März 2022. 





Als sie flogen war Corona noch nicht kritisch, aber als sie dann in Deutschland waren kam der Lockdown und sie kamen nicht mehr zurück nach Kirgisistan, besonders, weil das Land auf der schwarzen Liste stand. So waren sie in Deutschland gelandet und mussten 6 Monate warten, bis sie wieder heimreisen durften. Mit dem Touristen Visum durften sie natürlich nicht arbeiten und hatten Glück, dass sie bei Freunden in Böblingen unter kamen. Die Frau hat dann ihren Tag damit verbracht Deutsch zu lernen. 

Heute geht's weiter nach Kasachstan nach Almaty. Als Fußball Fan bestens bekannt aus Lostopf 4 und definitiv ein Ziel, das man ziehen möchte. Wer möchte schon zum 1000ten mal nach London 😅
Dieses Jahr ist die Auslosung egal, denn wir sind eh nicht dabei. Aber mit Almaty kann ich mir zumindestens einbilden etwas internationale Luft zu schnuppern 😉

Die Grenze ist durch einen Zaun geschlossen. Laut Reiseleiter liegt das nicht an politische Spannungen, sondern daran die Drogenroute aus Afghanistan zu Unterbrechen. Drogen werden anscheinend von Afghanistan über Zentralasien weiter nach Russland und Europa transportiert.



Und so ging es mal wieder zu Fuß über die Grenze. Unseren Bus und Busfahrer ließen wir zurück, nur unser Reiseleiter begleitet uns zumindest noch bis Almaty. Wenn wir morgen weiter nach Usbekistan fliegen, verlässt auch er uns.. ich finde wechselnde Reiseleiter ja nervig 😅 aber gut.

Heute morgen haben wir das erste Mal schlechtes Wetter und keine Berge sind zu sehen. Dazu ist es Recht frisch. Da hatten wir die letzten Tage doch sehr Glück.

Also mit Koffer und allem Gepäck ging es zu Fuß erst zur Ausreise, dann durchs Niemandsland über den Grenzfluss und dann wieder in die Einreise. Das ging alles relativ reibungslos und ich hatte einen neuen Stempel in meinem Pass.

Rein ging es in einen neuen Bus mit neuem Fahrer und ab in den Nebel.. Hatten wir die letzten Tage noch schönsten Sonnenschein, gab es heute Herbstwetter vom feinsten. 9 Grad und Nebel. So blieben uns die Berge verwehrt.




Dafür gab es Stau, Stau und nochmal Stau.. Mit mehr oder weniger Geduld schoben wie uns durch den Verkehr. Und waren dann alle froh, als wir im Hotel angekommen und uns auf einen Stadtspaziergang machten.

So viel gab es nicht zu sehen. Denkmäler, eine orthodoxe Kirche und ein Schokoladenshop, in dem ordentlich geshoppt wurde. 














Almaty ist auf jeden Fall eine viel größere und westlichere Stadt, dazu sind die Menschen mehr international. 
Interessant ist auch, das Kirgisistan unter Sanktionen ist, da sie eng mit Russland verbunden sind. Sie sind von Russland abhängig, da sie Gas, Öl und Benzin erhalten. 

Kasachstan ist nicht von Russland abhängig, aber von Kirgisistan da sie kein Wasser haben. Kirgisistan hat Gletscher und liegt höher. Allerdings schmelzen die Gletscher rapide, so dass es in einigen Jahren nicht genug Wasser geben wird. Die Regierungen versuchen schon Lösungen zu finden, stand jetzt gibt es aber noch keine.

Da Kasachstan nicht unter Sanktionen stehen, kommen viele Russen nach Almaty um hier zu shoppen.

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Vom Krüger Nationalpark bis zurück nach Frankfurt

"Bildungsurlaub" in Costa Rica

Letzter Tag in Delhi und Fazit